Impact Investment ohne Impact: Greenwishing, greenwashing, impact washing?

Das Interesse an nachhaltigen Investments steigt. In der Schweiz nahm das Volumen im Jahr 2021 im Vergleich zum Vorjahr gemäss der Market Study 2022 von Swiss Sustainable Finance um 30% zu auf knapp 2 Milliarden Franken. 2016 lag das Volumen noch bei gut 200 Millionen. Was ist ESG- oder nachhaltiges Investment überhaupt? Und noch wichtiger: Was wollen die Anleger:innen damit erreichen? Geht es um echten Impact, ist es einfach «in» und lässt sich damit auch Geld verdienen? Eine kürzlich erschienene Studie befasst sich vor allem mit dem «Why» und dem Ziel, Impact mit nachhaltigen Investments zu erzielen. Liegt den Investoren wirklich etwas daran?

Impact Investing liegt gemäss der Definition des Global Impact Investor Network (GIIN) nur dann vor, wenn folgende Elemente kumulativ gegeben sind: Absicht, Zusätzlichkeit und Messung (auf englisch: intention, additionality and measurement). Es ist damit per Definition und auch nach gesundem Menschenverstand nur dann sinnvoll «nachhaltig» zu investieren, wenn das Investment auch einen Effekt hat, der gemessen werden kann und nicht nur irgendwie grün sein könnte.

Die genannte Studie von Julian Kölbel, Assistenzprofessor für nachhaltige Finanzwirtschaft an der Universität St. Gallen, und drei Forscherkollegen von der Universität Zürich trägt den Titel: «Do Investors care about Impact?»

Die NZZ fasst die Studie wie folgt zusammen: «Nachhaltigkeit stösst zwar auf reges Anlegerinteresse, die Frage nach der Wirkung des jeweiligen Produktes spielt jedoch für die Investoren eine Nebenrolle bei ihrem Investitionsentscheid. Und Produkte, die mehr Wirkung versprechen als andere, lösen bei den Probanden nur eine minim höhere Zahlungsbereitschaft aus.» Und weiter: «Diese Forschungsergebnisse zeigen auf, dass es für Anbieter relativ einfach ist, Greenwashing oder Impact-Washing zu betreiben in einem globalen Markt, in dem inzwischen Anlagegelder in Höhe von geschätzt rund 30 Billionen Dollar verwaltet werden. Einen Nachweis über die tatsächliche Wirkung fordern die Kunden offenbar bis jetzt kaum ein.».

50 shades of green

Das Beratungsunternehmen PwC fasste die Herausforderungen des Impact Investing am Finance Forum Liechtenstein wie folgt zusammen: «50 shades of green: Greenwishing and greenwashing».

Bei Greenwashing geht es um die absichtliche Irreführung von Anlegern oder anderen Stakeholdern. Bei Greenwishing bewegen wir uns eher um Themen wie in der besagten Studie: Man investiert «grün» und hofft, dass dies schon irgendwie einen positiven Effekt haben wird. Ohne genau hinzuschauen und zu messen.

Greenwashing-Fälle haben mit dem zunehmenden Erfolg der nachhaltigen Anlagen stark zugenommen:

Die frühere Nachhaltigkeitschefin der DWS und Whistleblowerin Desiree Fixler sprach von einem irreführenden Umgang mit ESG-Kriterien und wurde von der DWS verklagt. Der ehemalige Chef für nachhaltiges Investieren beim weltgrössten Vermögensverwalter Blackrock, Tariq Fancy, wies ebenfalls auf Missstände bei ESG-Investments hin. «Fancy hält den Boom von ESG-Investments für ein gefährliches Placebo. Nachhaltige Investments würden den Anlegern das Gefühl geben, in etwas Gutes zu investieren und dabei gleichzeitig attraktive Renditen verdienen zu können. Die Branche habe dabei sehr viel Spielraum gehabt, um die ESG-Kriterien so zu definieren, dass sie für die jeweiligen Anbieter passen.» schrieb das deutsche Handelsblatt im September 2021.

Was muss passieren, damit es nicht so weitergeht?

Die Finanzbranche muss beim Thema Nachhaltigkeit den nächsten Schritt machen. Mehr Transparenz, bessere Daten und Regulierung sind nötig, da der Markt dies kaum rasch alleine regelt. Auch wenn der Druck von Geldgebern, unter anderem der Pensionskassen, steige.

Bezüglich Regulatorien tut sich was, wie die Übersicht der PwC zeigt:

Viele freiwillige Richtlinien und Initiativen sowie auch verpflichtende Regulatorien zeigen, dass Greenwashing ernster genommen wird. Bisher gibt es wie bei vielen Nachhaltigkeitsthemen und -labels noch keine internationalen Standards und Messkonzepte, die sich auf breiter Front durchsetzen. Bei den Regulatorien sind aktuell das weltweit gültige IFRS Sustainability Reporting oder die EU Taxonomie in Europa zu nennen, bei freiwilligen Initiativen die Global Reporting Initiative/GRI oder die Sustainable Development Goals/SDGs. Wie «grün» die EU Taxonomie im Finanzbereich ist, muss sich noch zeigen, wenn man zum Beispiel an «grüne» europäische Gas- und Atomkraftwerke denkt.

Für PwC stellen sich für eine Weiterentwicklung und Glaubwürdigkeit von ESG-Investments folgende Schlüsselfragen:

  1. Wie viel Nachhaltigkeit beinhaltet ein ESG-Investment konkret?
  2. Welche strategischen Ansätze werden zusätzlich zu Ausschlusskriterien verwendet? Norm-basierte oder Best-in-Class Ansätze?
  3. Wie werden die Ziele bzw. der positive Einfluss von ESG gemessen?
  4. Wie ist die Bewertung eines ESG-Produkts und wie wird sie erreicht?

Aus unserer Sicht stellt sich wie immer die Frage: Was kann/muss Kommunikation in solchen Fällen leisten?

Kommunikation darf nur faktenbasiert, authentisch und glaubwürdig sein. Nur was wirklich ist, kann auch kommuniziert werden. Gerade Greenwashing wird früher oder später zum Bumerang – siehe DWS und viele andere Fälle, die inzwischen aufgedeckt wurden.

Exkurs: Wie ist Nachhaltigkeit in Unternehmen verankert?

Russell Reynolds hat für eine Anfang Jahr veröffentlichte Studie 9’500 Vorstände, Nachwuchsführungskräfte und Mitarbeiter in weltweit elf Ländern befragt. Wie bei Investments, ist Nachhaltigkeit noch nicht wirklich in Unternehmen angekommen. Nur jeder vierte befragte Vorstand in Deutschland sei der Auffassung, dass sein Unternehmen eine Nachhaltigkeitsstrategie hat, die klar kommuniziert und umgesetzt wird. Jeder Dritte sei der Meinung, dass sich sein Vorstandschef persönlich für Nachhaltigkeit einsetzt, heißt es in der Studie. Der überwiegende Teil der deutschen Vorstände und Führungskräfte sehen Nachhaltigkeit immer noch vorrangig als Reputationsrisiko an, das es zu managen gilt.

«Mit Blick auf die Zukunft erwarten nur 31 % der Führungskräfte, dass sie in den nächsten fünf Jahren erhebliche bzw. grosse Fortschritte bei der Verankerung der Nachhaltigkeit in der Unternehmensstrategie und im Geschäftsbetrieb machen werden – dies entspricht dem europäischen Durchschnitt (32 %), ist aber unter dem weltweiten Durchschnitt (39 %).», schreibt Russell Reynolds in ihrem Summary zur Studie.

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